Neue Musik in der Naxoshalle – Yoann Durant und Galdric Subirana

Heute werden Wissen, Begehren und Handeln zunehmend über digitale Prozesse geleitet und entscheidend von ihnen mitgeprägt. Was bedeutet dies fürs Musizieren mit einem Instrument, das – wie das Nutzen eines Smartphones – auch immer eine soziale Kommunikation beinhaltet? Das Konzert Musiker 2.0 möchte anhand von zwei wichtigen und musikalisch sich ergänzenden Positionen im Bereich der Soloperformance, diesen Veränderungen nachspüren. Wie und wo vernetzen sich die Musiker mit der Technik? Wie verändern sich hierbei die Musik und die Weisen ihres Musizierens? Und was birgt der anwesende Musikerkörper an Potentialitäten, die auch die wildesten Vernetzungen nicht ersetzen können?

Yoann Durants spielt Saxofon und verschiedene andere selbstgebaute Blasinstrumente. Neben der Auseinandersetzung mit digitalen Mitteln ist seine Bühnenperformance vom Einsatz des eigenen Körpers geprägt.

Galdric Subirana spielt Schlagzeug im internationalen Kontext neu komponierter Musik. Subirana wird Stücke mit einer von Orm Finnendahl entwickelten Improvisationssoftware spielen.

Finnendahl ist Komponist Neuer Musik und Professor für Komposition in Frankfurt am Main und arbeitet seit vielen Jahren an der Software, die eine enge, an Grafiken gebundene Verschmelzung von Interpreten und Software erlangen möchte.

Das Konzert wird kuratiert von Bastian Zimmermann.

2_7D-Wir-gehen-in-die-Berge-um-zu-schweigen-und-zeichnen-Karten-um-uns-zu-verirren(Credit-Lin-Nan-Zhang)

2,7 D Wir gehen in die Berge um zu schweigen und zeichnen Karten um uns zu verirren

1967 geht Fernand Deligny mit eine Gruppe autistischer Kinder in die Cevennen.
Wie eine Gesellschaft von Partisanen leben sie als Netz verstreut in der Einsamkeit der Berge, jenseits des Systems der Institutionen und der Sprache, deren Mechanismen uns nicht nur glauben lassen, wir könnten einander nahe sein, sondern auch Machtstrukturen zwischen „Ich“ und „Du“ etablieren und aufrechterhalten.
Welche Brüche menschlicher Konstitutionen von Subjekt und Gemeinschaft werden im Schweigen offenbar? Welchen Abgrund überdeckt die Sprache und welche revolutionäre Sprengkraft steckt in ihrer Verweigerung?

Regie: Simon Möllendorf
Dramaturgie: Caroline Rohmer
Bühne, Kostüm, Video: Lin Nan Zhang
Mit: Annemarie Falkenhain, Sam Michelson

Die Blauen gegen die Grünen

Zur Vorbereitung auf das Event „Die Blauen gegen die Grünen“ sei allen, die dorthin kommen wollen, folgende drei Dinge mitgeteilt:

1. Die „Blauen gegen die Grünen“ sind keine (aber natürlich trotzdem eine, keine Sorge) Performance. Es ist ein Spiel. Ein Schlachtenpiel. Spiel und Schlacht – geht das überhaupt? Findet es heraus!

2. Ihr solltet keine Brillen und / oder Stöckelschuhe und / oder Deutschlandfahnen tragen. Wenn eines dieser Dinge zutrifft, bitte Zuhause lassen oder ablegen können (z.B. Schuhe ausziehen, Fahne auf
den Balkon hängen etc…) und im Zweifel Kontaktlinsen tragen.

3. Die Legende der Blauen gegen die Grünen sollte vor Beginn verinnerlicht werden: Es geht um die mystische Vereinigung von fünf, ursprünglich zusammengehörigen Objekten, nämlich Klein a, die kleine Portion Pommes, die verbogenen Hanteln, das Käsesandwich und die Spule. Diese fünf Artefakte müssen wieder vereinigt werden. Unglücklicherweise ist eben gerade zu dieser Zeit immerwährender
Krieg entbrannt in dem zwei Fraktionen danach trachten, die Macht der geheiligten Artefakte für sich zu nutzen – Die Blauen gegen die Grünen. Der Krieg wird ausgefochten und wie es ausgeht, nunja….

Ein Projekt von Christopher Grausam, Tilman Au!-Müller, Arne Selassi

Glasaugenblicke aus dem Wald heraus

Wenn er die Augen schließt, sieht er die Stadt. /
Die Steppe blickt aus ihm, wenn er sie aufschlägt.

Das große ROM, Wiege unserer Welt: Titus Andronicus kehrt vom Krieg gegen die fremden Goten zurück. Die Gefangenen werden verfüttert an die Zivilisationsmaschine ROM, denn das Reich, gebaut auf den Toten, soll fortbestehen. Doch die Goten wollen so einfach nicht untergehen. Über Shakespeares brutalster aller Rachetragödien thront als ‚unheilbare Wunde’ Lavinia, die vergewaltigte Tochter von Titus, ihre Zunge und Arme abgeschnitten. Sie ist das unsichtbare Kunstwerk, das schwarze Loch, das ROM ins Nichts weist.

Mit Shakespeares Groteske – weithin bekannt als sein schlechtestes Stück – und Heiner Müllers ANATOMIE TITUS wagen wir einen Blick auf das grausame Fundament unserer Zivilisation. An der Schwelle zwischen Tanz und Theater, Wachen und Traum, Mensch und Tier blicken uns Glasaugen an, die vielleicht unsere eigenen sind. Sieh Markus, ach, schau sie an!

Schauspiel: Johanna Franke, Lili Ullrich, Oliver Lau
Tanz: Orla McCarthy, Finn Lakeberg, Max Schumacher
Musik: Carlo Eisenmann, Jakob Fritz
Regie: Jan Philipp Stange
Bühne: Laura Robert
Dramaturgie: Björn Fischer
Komposition: Richard Millig
Kostüm: Juliana Cuellar Parra
Ausstattung: Anja Schäfer, Wiebke Schmitt
Regieassistenz: Baris Akman

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Guten Morgen du Schöne

– nach Protokollen von Maxie Wander

Ich frage mich manchmal: Was für eine Gesellschaft bauen wir eigentlich auf?

Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber
wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin:
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.
– Thomas Brasch

„Mich interessiert, wie Frauen ihre Geschichte erleben, wie sie sich ihre Geschichte vorstellen. Vielleicht ist dieses Buch nur zustande gekommen, weil ich zuhören wollte.“ – Maxie Wander

Mit: Philipp Engelhardt, Simone Müller, Sebastian Volk, Judith Zykan
Regie: Carolin Millner
Dramaturgie: Fee Römer
Bühne: Nils Wildegans
Kostüme: Maylin Habig
Organisation: Nina Koch