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WHAT A MESS / IT´S CUM EX

Festival für ästhetische Strategien neuer Ökonomien

Cum-Ex-Geschäfte führten zu dem wohl größten Steuerbetrug in der deutschen Geschichte, bei dem über 25 Jahre mehr als 55 Milliarden Euro aus der Steuerkasse geplündert wurden. Für seine Größenordnung stieß der Skandal aber bis heute auf ein überraschend geringes Interesse der Öffentlichkeit. Während des Festivals verhandeln und präsentieren Vertreter*innen aus Kunst, Kultur, Politik und Wirtschaft, wie ruinöse Wirtschaftspraktiken skandalisiert werden können, wie ein gemeinsamer, ökosozialer Umbau unserer Gesellschaft gelingen kann und welche ästhetischen Strategien dafür nötig sind. Im Mittelpunkt des Festivals steht eine deutschlandweite Ausschreibung, an der sich im Frühjahr 2019 mehr als 90 Autorinnen und Autoren beteiligten. Die drei Gewinner-Texte, die sich mit Aspekten des Cum-Ex-Skandals befassen, werden nun szenisch aufgeführt. Das Rahmenprogramm, das Akteur*innen und Besucher*innen gemeinsam erkunden können, bilden Workshops, runde Tische, TED-EX-Talks, ein Hörspieltipi, Lesungen, der Frankfurter Kranz und ein Umschlagplatz für alternative und solidarische Wirtschaftsformen.

PROGRAMM

18. Oktober 2019 – FREITAG
19:00 Uhr Eröffnung des Festivals durch die Kulturdezernentin Ina Hartwig
19:30 Uhr Preisverleihung an die drei Gewinner*innen des Wettbewerbs
20:30 Uhr SZENISCHE AUFFÜHRUNG DER GEWINNERTEXTE
22:00 Uhr Moderiertes und offenes Nachgespräch mit den Autor*innen, Jury-Mitgliedern, den Studierenden der Hessischen Theaterakademie und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst
22:30 Uhr Offene Bar mit Musik

19. Oktober 2019 – SAMSTAG
14:00 – 20:00 Uhr UMSCHLAGPLATZ für solidarische und kooperative Wirtschaftsformen. Mit dabei sind u.a. genug.org, transform Magazin, GLS Treuhand, Oikocredit, Triodos Bank, I.L.A. Kollektiv, NIKA HAUS, Ev. Bank u.v.m.
14:00 – 20:00 Uhr HÖRSPIELTIPI Das Ende des Kapitalismus, Kirsten Reese / Hörstück 2011 / 43 Minuten
Schön ist es auch Anderswo und hier bin ich sowieso, Carminski_Hauser_Kollektiv / Hörstück 2019 / 26:40 Minuten
16:00 – 17:30 Uhr ROUNDTABLE „Ein Jahr nach CUM-EX“ Tendenzen und Aussichten mit Oliver Schröm (CORRECTIV), Wolfram Bernhardt (agora42) und Josef Schnitzbauer (Fairfinance Netzwerk)
18:00 – 19:30 Uhr TED EX TALKS „Welche Wirtschaft braucht der Mensch?“ mit Friederike Habermann (Volkswirtschaftlerin und Autorin), Prof. Dr. Brigitte Young (Forscherin und Professorin für internationale Politische Ökonomie) und Antje Schrupp (Politikwissenschaftlerin, Journalistin, Bloggerin und Buchautorin)
20:00 – 21:30 Uhr SZENISCHE AUFFÜHRUNG DER GEWINNERTEXTE

20. Oktober 2019 – SONNTAG
14:00 – 15:30 Uhr NAXOS.KINO Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens, Nicolas Wadimoff, 92 Min (2017), kluges und hintersinniges Porträt des weltweit bekannten Globalisierungskritikers und Menschenrechtlers Jean Ziegler.
15:30 – 19:30 Uhr UMSCHLAGPLATZ für solidarische und kooperative Wirtschaftsformen mit dem Frankfurter Kranz, einer regelmäßig stattfindenden Gesprächsreihe zwischen Musik, Poesie und Kuchen.
15:30 – 19:30 Uhr HÖRSPIELTIPI:  Das Ende des Kapitalismus, Kirsten Reese / Hörstück 2011 / 43 Minuten;
Schön ist es auch Anderswo und hier bin ich sowieso, Carminski_Hauser_Kollektiv / Hörstück 2019 / 26:40 Minuten
16:30 – 19:00 Uhr LESUNGEN „Das gute Leben für alle: Wege in die solidarische Lebensweise“ von & mit dem I.L.A. Kollektiv; „Kein Schafspelz Kein Wolf“ von & mit Julian Mahid Carly; „Hält uns wach“ von & mit Rita Grechen
19:30 – 21:00 Uhr SZENISCHE AUFFÜHRUNG DER GEWINNERTEXTE

Das Festival ist eine Initiative von studioNAXOS in Kooperation mit dem Theater Willy Praml und der Hessischen Theaterakademie. Ermöglicht wurde das Projekt durch die FAZIT Stiftung, die GLS Treuhand, die Adolf-und-Luisa-Haeuser-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Triodos-Bank und das Kulturamt Frankfurt am Main.

CW2A0396 - Kopie

Am Wulst der Zeit

Uraufführung

Am Wulst der Zeit ist das Symptom auf der Suche nach einer Diagnose. Die Symptomatik: fragende Ahnungslosigkeit. Im Ausschlussverfahren nähern sich die Figuren dem heißen Brei, der sich jeder Konkretisierung entzieht. Präsentiert wird lediglich der Rest, der bleibt, wenn etwas auf den Begriff gebracht werden will, das nicht gänzlich in Begriffen aufzugehen scheint: Zurück bleiben Fragen, die im Nichts verlaufen. Das Suchen der Antworten stößt unweigerlich auf nur eine: man kann es nicht wissen, wenn man denn überhaupt je etwas verstehen kann.

In einem schier nicht greifbaren, breiigen Komplex bemühen sich vier Ahnungslose um Orientierung, versuchen miteinander in den Dialog zu kommen, sich etwas aufzubauen, sich dem Großen Ganzen zu nähern.

Spielerisch, resigniert, zurückgelassen, selten mal hoffnungsvoll. Und dann auch, ganz privat, tauchen die vermeintlich kleinen Fragen für das eigene Leben auf, die plötzlich, im Angesicht der anhaltenden Stagnation, die scheinbar wirklich wichtigen werden. Am Ende stehen alle am Anfang.

Regie: Jette Büshel
Bühne: Lisa Rinaldi
Dramaturgie: Elena Backhausen
Spiel: Lisa Heinrici, Andreas Jahnke, Liese Lyon
Sound: Chris Schwab
Stimme: Katharina Bach
Foto: Linnan Zhang

Autor: Till Wiebel

Till Wiebel ist einer der drei Gewinner einer deutschlandweiten Autoren-Ausschreibung, deren Texte sich mit Aspekten des Cum-Ex-Skandals befassen und an der sich im Frühjahr 2019 mehr als 90 Autorinnen und Autoren beteiligten. Die drei Gewinner-Texte wurden szenisch umgesetzt und hatten im Rahmen des What a mess / It’s Cum Ex-Fesivals am 18. Oktober 2019 in der Frankfurter Naxoshalle Premiere.

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Philoktet

Chorstück für eine Solistin frei nach Sophokles

Am Rande des Trojanischen Kriegs ist der verwundete Philoktet aus der Gemeinschaft der Griechen ausgeschlossen worden. Das Heer hatte den Gestank seiner Wunde und seine Schmerzensschreie nicht länger ertragen und hat ihn auf einer unbewohnten Insel zurückgelassen. Jetzt ist Philoktet wegen seiner Waffen für den Krieg unentbehrlich und soll zurückgeholt werden. Die Gemeinschaft setzt also darauf, dass sie die Verletzung zurücknehmen kann, die sie Philoktet einst angetan hat, und sich dieser dem kollektiven Willen beugt, obwohl er erneut zum Objekt eines instrumentellen Kalküls gemacht wird.

In einer performativen Adaption werden die Geschehnisse von einer Erzählerin berichtet, die ihre Stimme allen Figuren der Geschichte leiht. Der Anspruch, für andere sprechen zu können – immer auch vereinnahmende Anmaßung – wendet sich in eine Vereinnahmung der Erzählerin durch die Figuren, die sie erzählend entwirft. So unternimmt die Adaption des antiken Klassikers den Versuch, wie eine einzelne mehr sein kann als eine, anders sein kann als sie selbst und wie ein Subjekt zum überpersönlichen Chor wird.

Regie: Philipp Scholtysik / Performance: Bettina Földesi / Dramaturgie/Ton: Jacob Bussmann

Die Produktion entstand in Kooperation mit studioNAXOS. Ermöglicht wurde das Projekt durch das Kulturamt Frankfurt am Main. Geprobt im Z. Zentrum für Proben und Forschung Frankfurt.

Philipp Scholtysik: philippscholtysik.de