Glasaugenblicke aus dem Wald heraus

Wenn er die Augen schließt, sieht er die Stadt. /
Die Steppe blickt aus ihm, wenn er sie aufschlägt.

Das große ROM, Wiege unserer Welt: Titus Andronicus kehrt vom Krieg gegen die fremden Goten zurück. Die Gefangenen werden verfüttert an die Zivilisationsmaschine ROM, denn das Reich, gebaut auf den Toten, soll fortbestehen. Doch die Goten wollen so einfach nicht untergehen. Über Shakespeares brutalster aller Rachetragödien thront als ‚unheilbare Wunde’ Lavinia, die vergewaltigte Tochter von Titus, ihre Zunge und Arme abgeschnitten. Sie ist das unsichtbare Kunstwerk, das schwarze Loch, das ROM ins Nichts weist.

Mit Shakespeares Groteske – weithin bekannt als sein schlechtestes Stück – und Heiner Müllers ANATOMIE TITUS wagen wir einen Blick auf das grausame Fundament unserer Zivilisation. An der Schwelle zwischen Tanz und Theater, Wachen und Traum, Mensch und Tier blicken uns Glasaugen an, die vielleicht unsere eigenen sind. Sieh Markus, ach, schau sie an!

Schauspiel: Johanna Franke, Lili Ullrich, Oliver Lau
Tanz: Orla McCarthy, Finn Lakeberg, Max Schumacher
Musik: Carlo Eisenmann, Jakob Fritz
Regie: Jan Philipp Stange
Bühne: Laura Robert
Dramaturgie: Björn Fischer
Komposition: Richard Millig
Kostüm: Juliana Cuellar Parra
Ausstattung: Anja Schäfer, Wiebke Schmitt
Regieassistenz: Baris Akman